Bei der Planung von Fotoshootings stellt sich immer die Frage, welche Lichtquelle optimal ist. Studioblitze erlauben die perfekte Kontrolle des Lichts, natürliches Fensterlicht zaubert eine Natürlichkeit, die kaum zu übertreffen ist.

Mit Blitz oder ohne Blitz, das ist hier die Frage!

Im Januar habe ich mir viel Zeit für ein Homestudio-Shooting genommen. Gleich drei verschiedene Lichtquellen kamen zum Einsatz. Ich habe ein 60cm Dauer-Ringlicht, einen Studioblitz mit 60cm Beauty-Dish sowie zur Aufhellung der Schatten einen 80cm gold/silber Reflektor aus dem Schrank geholt. Beide Lichtquellen sollten gegen Fensterlicht konkurrieren.

Moderne Ringlichter werden als LED-Lichtquelle angeboten. Ich mag Floureszenzleuchten lieber, weil sie das Licht in breiterem Winkel abstrahlen und mehr Brillanz erzeugen. Keine andere Lichtquelle erzeugt einen derart typischen Look. Das Gesicht des Models wird absolut gleichmäßig ausgeleuchtet. Nichts schmeichelt der Haut mehr. Im Vergleich zum Blitz bietet das Dauerlicht einen weiteren Vorteil. Es ist hell. Nicht heller als der Blitz aber viel heller als das Einstelllicht des Blitzes. Es blendet, worüber sich das Model nicht freut. Das helle Licht bietet für Portraits aber einen großen Vorteil. Die Pupille wird klein. Zeitgleich wird die Iris groß und die Farbe der Augen wird wunderbar herausgestellt. Ringlichter erzeugen ein ganz typisches Catch-Light im Auge. Der runde Lichtreflex im Auge ist allerdings Geschmackssache. Hier müssen Fotograf und Model präzise zusammenarbeiten. Wenige Zentimeter näher ans Licht oder weiter weg, verändern die Größe des Lichtreflexes bereits enorm. Das Model muss unbedingt auf eine gleichbleibende Position zur Leuchte achtgeben.

Blitz ist Blitz. Lichtformer ist aber nicht Lichtformer. Die beliebten Softboxen tun was sie sollen, sie erzeugen softe Schatten. Je softer, desto weniger knackig wird das Bild. Die soften Schatten resultieren nicht vom weißen Tuch vor der Softbox, sondern aus der relativen Größe der Lichtquelle zum Model. Will man mehr Plastizität, muss entweder die Softbox weiter weg vom Model oder man verwendet kleine Lichtquellen. Ich habe mich für eine mittelmäßig kleine Lichtquelle entschieden. Einen Beauty-Dish mit ca. 1,5m Abstand zum Model. Dieser ruft recht deutliche Schatten hervor, welche sehr einfach mit einem Reflektor von unten auszugleichen sind. Erhalten bleiben leichte Schatten unter Kinn und Nase, was eine wunderbare knackige Abbildung mit sich bringt.

Alles ist anders bei Fensterlicht. Auch hier ist die relative Größe der Lichtquelle wieder ein wichtiges Gestaltungsmittel. Übliche Fenster wirken wie eine riesige Softbox. Sie erzeugen sehr softe Schatten. Das Licht wirkt sehr natürlich. Es kann eine extrem starke Plastizität mittels starker Kontraste erzeugt werden. Die dem Fenster zugewandte Gesichtsseite kann deutlich heller sein, als die dem Fenster abgewendete Seite. Wie stark der Kontrast ist, kann über die Entfernung zum Fenster gesteuert werden. Je näher das Model ans Fenster geht, desto stärker sind die Kontraste ausgeprägt.

Genug zur Theorie. Es war ein Shooting mit viel Spaß und tollen Ergebnissen. Vielen Dank an die wunderbare Nicole für’s Modeln und die schönen Fotos.

Liebe Grüße

Jürgen