Am 19.05.18 ist wieder Street Fototalk & Fotowalk!

Wer öfter dabei ist, weiß es gibt ein Thema zur Orientierung. Unser Thema für den 19.05 heißt: Gegensätze: reich / arm

Beim nächsten Mal (19.05.18 08:30) gibt es wieder ein weniger abstraktes, ein recht konkretes Thema für unseren Foto-walk. Es geht um Gegensätze.

Gegensätze im Allgemeinen werden am überzeugendsten dargestellt, wenn sie in einer Aufnahme dargestellt werden. Gelingt dies nicht, so ist es natürlich auch möglich eine kleine Serie oder ein Fotoessay zu erstellen, innerhalb dessen ein Foto das eine Element und das andere Foto den jeweiligen Gegensatz darstellt. Für das einzelne Foto hilft das natürlich nicht. Also vielleicht doch: Ein wenig ausharren, geduldig und aufmerksam sein. Der frühe Vogel ist … alleine auf der Straße.

Reich und arm – reich oder arm. Im Rahmen dieses Foto-walks sollten die Begriffe etwas freier verstanden werden. Im engsten Sinne geht es um wohlhabend oder bedürftig. Vielleicht findet sich da etwas vor dem Juweliergeschäft oder beim Valet-parking am Hotel. Eine andere Interpretation wäre zum Beispiel Ideenreich und einfach. Vielleicht finden sich dazu ein paar Straßenkünstler oder ein paar ihrer hinterlassenen Werke. Reich könnte auch geistreich meinen und arm könnte für simpel bis dumm stehen. Wie wäre es mit reichhaltig und armselig? Reichhaltig könnte eine prall gefüllte Einkauftüte sein oder ein umfassendes Mal.

Wie immer steht der Kreativität keine bremsende Macht gegenüber!

Ich freue mich auf eure Teilnahme und freue mich auf eure Umsetzung des Themas!

 

Viele Grüße (aus dem Schwarzwald)

Jürgen

 

 

Alt trifft neu

Systemkameras sind auf dem Vormarsch und erzielen Abbildungsleistungen vergleichbar zu Spiegelreflexkameras. Passend zu hochauflösenden Sensoren werden hervorragende Optiken angeboten, die den optischen Leistungen des Sensors zuspielen. Aber was passiert, wenn alte und weniger wertige Objektive an moderne Spitzenkameras betrieben werden?

Ich verwende sehr gerne Festbrennweiten. Natürlich geht es um die Abbildungsqualität und auch um die Lichtstärke dieser Objektive. Viel wichtiger ist mir aber folgender Punkt. Der Bildwinkel eines Objektivs und damit die Brennweite ist einer der wichtigsten Aspekte der Bildkomposition. Folglich ist die Brennweite mit Bedacht auszuwählen. Eine kurzer, unbedachter Dreh am Zoom-Ring ist in dieser Hinsicht kontraproduktiv.Nun spiele ich mit dem Gedanken für meine Fujifilm XT-2 das hervorragende 56mm F1.2 Objektiv zu kaufen. Fujifilm ruft dafür einen angemessenen Preis auf. Darüber muss man in der Tat einen Moment nachdenken. Angeregt durch einen aktuellen Artikel in einem Fotomagazin, habe ich nun aber einen alternativen Weg ausprobiert. Ich habe ein Zenit Helios F44M-6 mittels einem M42-Adapter angeschlossen. Das Objektiv ist im Internet recht intensiv beschrieben und extrem günstig zu erstehen. Wie viele russische Nachbauten deutscher Produkte handelt es sich auch hier um eine Kopie. Die fotografischen Ergebnisse von Original und Kopie weichen allerdings erheblich voneinander ab. Das Helios-Objektiv 58mm F1:2 ist so etwas wie die Antithese zur Fujifilm-Optik. Richtig gut kann es eigentlich gar nichts. Es ist nicht besonders lichtstark, es löst nicht sehr hoch auf, es verzerrt merklich und es ist auch nicht scharf.

Warum also dieses Objektiv? Weil es Spaß macht. Es verleiht den Fotos einen wunderschönen, unperfekten und analogen Look. Trotz einer Offenblende von F2 zeigt das Objektiv ein starkes Bokeh. Einmal ausprobiert, weiß man sofort, warum das Objektiv den Spitznamen „Swirly-Bokeh“ trägt. Alle Spitzlichter im unscharfen Bereich werden kreisförmig überzeichnet. Die Haptik des Objektivs ist für das heutige Empfinden ebenfalls ein Erlebnis. Immerhin handelt es sich um ein Vollmetallgehäuse. Den Fokusring kann man drehen und drehen, bis man an den Anschlag gerät. Das präzise Scharfstellen ist damit wesentlich einfacher als bei modernen Objektiven, deren Fokussierung auf einen schnellen Autofokus getrimmt sind. Trotz des M42-Adapter kann die Adapter-Objektiv-Kombination auf unendlich einstellen. Die Kamera kann auf Zeitautomatik oder im manuellen Modus betrieben werden. Schaltet man die Kamera auf manuelle Fokussierung (was man natürlich muss), so kann immerhin das Fokuspeaking oder der digitale Split-Field-Indikator als Fokussierhilfe benutzt werden. Also kurzum. Meine XT-2 in Verbindung mit dem Helios 44m fühlt sich an, wie meine alten analogen Kameras und erzeugt auch Fotos, die an analoge Aufnahmen erinnern.

Ob, man ein solches Experiment wagen möchte und komplett manuell fotografieren möchte, muss Jeder selber wissen. Ob man technische Mängel des Objektivs als interessanten Bildlook interpretieren möchte, sollte auch Jeder für sich selbst bewerten. Ich jedenfalls habe sehr viel Spaß an der Sache und würde immer den Rat geben, € 50,- in die Hand zu nehmen und so etwas einmal ausprobieren. Es fühlt sich gut an, ist irgendwie hip, klappt ganz gut und bringt einen näher ans fotografische Handwerk. Bis es richtig problemfrei klappt, muss ich aber auch noch etwas trainieren. Ich habe doch eine rechte hohe Anzahl an Fotos falsch fokussiert. Darüber bin ich erstaunt, weil manueller Fokus an meiner XT-2 für mich nichts neues ist.

Auf meiner Facebook-Seite gibt es ein paar Beispiele:

https://www.facebook.com/juergenwinkels.fotografie/

Also viel Spaß beim Nachmachen!

Street Fototalk & Fotowalk

 

Nächtlicher Street-Fotowalk in Stuttgart

Am 01.12.17 starten wir den Monat mit einem Fotowalk in Stuttgart. Bei eisigen 0° ergeben sich spannende Motive.

Ich habe mich vorigen Freitag sehr über die heterogene Gruppe gefreut. Mich haben Fotointeressierte mit unterschiedlich Erfahrungs- und Kenntnisständen begleitet. Das hat sehr viel Spaß gemacht und ich freue sehr, neue Persönlichkeiten kennengelernt zu haben.

Vielleicht finde ich bald das eine oder andere Foto in der Gruppe:

Fotocommunity | Street Fototalk & Fotowalk

Facebook | Street Fototalk & Fotowalk

Noch ein kleiner Hinweis: High-Iso führt nicht immer zu Rauschen. Heute sind die Sensoren sehr gut. 1600 ISO sollten in der Regel kein Problem darstellen. Falls es doch rauscht, hilft Lightroom oder Fotoshop. Eine feinfühlige Kombination von Rauschreduzierung und Schärfung ist meistens von Erfolg gekrönt. Da Rauschen vor allem in dunklen Bildbereichen auftritt, kann man die hellen Bildbereiche in Photoshop mit einer Luminanzmaske abtrennen und die Rauschreduzierung gezielt auf die unteren Tonwerte anwenden. Wenn das auch nicht hilft, kann man analoges Korn vorsichtig aktivieren. Dann wird das störende Rauschen von ästhetischem Korn überdeckt. Insgesamt finde ich Rausche auch nicht per se böse!

Ich wünsche Allen einen schönen ersten Advent!

 

Straßenfotografie Seminar in Stuttgart

the shot

Stuttgart ist eine ideale Location für die Straßenfotografie. Mit gutem Wetter und guter Laune gab es gestern ein weiteres Seminar zum Thema Straßenfotografie.

 

Die Straßenfotografie stellt drei Herausforderungen an den Fotografen:

  • wie findet man Motive?
  • wie überwindet man das Unbehagen fremde Personen zu fotografieren?
  • wie setzt man ein Motiv handwerklich um?

Kernthema der Straßenfotografie ist nicht die Technik. „Sehen lernen“, ist der Schwerpunkt.

Ich starte meine Seminare in einem gemütlichen Café. Nur wer in positiver Stimmung ist, wird die notwendige Aufmerksamkeit für die vielen Motive haben. Nicht nur dabei, sondern mittendrin. Neben einem ausführlichen Theorieteil, führe ich dann durch die Stadt um gemeinsam spannende Motive zu erkunden und die handwerkliche Umsetzung zu üben. Mit viel Spaß und Freude haben wir einen langen Tag von 10:00 bis 17:30 verbracht.

Wie immer hatte auch ich selbst viel Freude am Seminar und freue mich auf die nächsten Termine.

 

Monochrom-Workshop im Haus auf der Alb

Haus auf der Alb | Treppenhaus

Monochrom-Workshop „Haus auf der Alb“

Die Architekturfotografie hat ihren eigenen Reiz. Insbesondere bei minimalistischer Architektur ist eine monochrome Umsetzung ein Stilmittel, das die Bildaussage erheblich verstärken kann. Das Haus auf der Alb in Bad Urach bietet ein ideales Ambiente für einen Fotoworkshop.

Am Samstag hatten wir erneut die Gelegenheit einen Workshop zur Schwarzweiß-Fotografie im Haus auf der Alb durchzuführen. Auch diesmal wieder haben wir uns zunächst mit dem Wesen der Monochromfotografie befasst, um dann in einem intensiven Praxis- und Theorieteil nicht nur zu fotografieren, sondern auch die Umsetzung der Aufnahmen in schwarzweiß zu erörtern.

Monochrom abstrahiert das Foto von der Realität, in dem nicht nur die Dimensionen Bewegung und Dreidimensionalität, sondern auch die Farbe weggenommen wird. Diese Reduktion führt zu einer Verstärkung der Bildaussage, wenn es dem Fotografen gelingt, Strukturen, Texturen und Geometrien ansprechend in Szene zu setzen. Die Umsetzung von Farbe in Schwarzweiß ist dabei nicht einfach. Eine gute monochrome Fotografie ist keineswegs eine entsättigte Farbaufnahme. Vielmehr muss der Fotograf gezielt mit Helligkeits- und Kontrastwerten arbeiten, um eine aussagekräftige Fotografie zu erstellen.

Eine gute Farbaufnahme ist die Basis für ein gutes Schwarz/Weiß-Foto. Ebenso ist eine gezielt vorbereitende digitale Entwicklung entscheidend für die weiterführende digitale Entwicklung des monochromen Bildes. Der wichtigste Schritt zum monochromen Bild ist die Farbfilterung. Hierbei werden den einzelnen Farben im ursprünglichen Foto die erwünschten „grauen“ Tonwerte zugewiesen. Keine andere Bearbeitung hat derart gravierenden Einfluss auf das Ergebnis. Nach der Monochromumsetzung ist typischerweise eine erneute Anpassung der Tiefen und Lichter notwendig. Über die Grundeinstellungen in Adobe Lightroom gehen diese Anpassungen rasch von der Hand. Bei der Anpassung von Schwarzpunkt, Weißpunkt, sowie der Tiefen und der Lichter ist allerdings zu beachten, dass eben auch eine Tonwertspreizung (oder Einengung) erfolgt. Eine differenzierte und rein selektiv wirkende Kontrastanpassung für einzelne Tonwertbereiche ist hingegen mit der Gradationskurve leicht erzielbar. Dazu eignet sich vor allem die Punktkurve.

Ich unterscheide globale, selektive und lokale Anpassungen im Foto. Globale Anpassungen betreffen die gesamte Aufnahme. Selektive Anpassungen wirken auf einen abgrenzbaren Bereich. Das ist zum Beispiel eine Farbe oder ein Tonwertbereich. Lokale Anpassungen wirken auf bestimmte Flächenbereiche des Fotos. Die lokalen Anpassungen können genutzt werden, um einzelne Stellen im Bild aufzuhellen oder abzudunkeln. In der analogen Fotografie sprach man vom Abwedeln und Nachbelichten. Adobe Lightroom bietet dazu die drei Maskierungsfunktion Verlaufsfilter, Radialfilter und Pinsel an. Alle drei können miteinander kombiniert werden, um die Maske präzise so zu gestalten, dass die ausgewählten Bereiche des Fotos genau eingeschlossen werden können.

Als Finish bietet sich dann die Anpassung der Mikrokontraste an, die anders als die Tonwertkontraste nicht den tonalen Unterschied zwischen hellstem und dunkelstem Tonwert betreffen, sondern den Tonwertübergang an Kontrastkanten betreffen.

Das Haus auf der Alb ist der ideale Ort für Workshops und Seminare. Die Räumlichkeiten bieten alles, was man als Moderator braucht. Die Unterkunft und Verpflegung im denkmalgeschützten Gebäude stimmt auf konzentriertes Arbeiten ein. Und für Fotografen ist das Gebäude im Bauhausstil das optimale Ambiente.

Wie immer hat sich eine anregende und interessante Diskussion ergeben. Vor allem bei Erich bedanke ich mich für seine konstruktiv kritischen Beiträge, die die Diskussion insgesamt erheblich aufgewertet haben.

Ebenso gilt mein Dank der Verwaltung des Haus auf der Alb, die in gewohnt freundlich, hilfsbereiter und kompetenter Art mein Fotoworkshop ermöglicht hat.

Schon jetzt überlege ich, ob vielleicht ein weiterer Workshop in diesem spannenden und geschichtsträchtige Ort möglich wäre.

 

einfach hART

Ich möchte auf eine Fotoausstellung meiner Foto-Community-Freunde Martina und Michael Hart hinweisen. Viele spannende  Eindrücke kann man sich auf der Website der Beiden holen: koala-pictures

Bezüglich der Ausstellung ist der Name Programm. Hier wird geschickt aus dem Familiennamen ein Titel gebildet. Bitte unterstützt einander und seht euch die Ausstellung an! Ist ganz bestimmt sehenswert!

Fotoausstellung: einfach hART

Hier die Einladung zur Ausstellung mit allen Infos:

Einladung Vernissage

Straßenfotografie und Tierfotografie haben viel gemeinsam!

Straßenfotografie und Tierfotografie haben viel gemeinsam!

Wir sind am Federsee mit der Kamera und dem langen Teleobjektiv. Heute sind wir die Einzigen mit ernsthaften fotografischen Absichten. Einige Touristen schlendern über den Steg und knipsen hier und da ein schnelles Foto von irgendwas. Habt Ihr den Vogel gesehen? In natura ja – auf dem Foto nicht! Ein Tourist zeigt seine Fotos, die er mit seinem Smartphone geschossen hat. Er ist begeistert, dass er einen Schwan einfangen konnte.

Andere Location, gleiche Situation. Ein junger Mann streift mit dem Fotoapparat durch Stuttgart. Fotografieren Sie auch, fragt er. Aaahh, Fujifilm sagt er. Ich mache Streetphotographie erklärt er dann. Stolz präsentiert er seine Schnappschüsse. Gar nicht so schlecht denke ich. Korrekt belichtet, Schärfe sitzt. Eine Person (nicht erkennbar) läuft durch das Motiv. Hintergrund überwiegend links. Rechts im Bild die Person bewegt sich nach rechts aus dem Bild.

Ich denke: Was will mir der Fotograf mit diesen Bildern sagen?

In der Tat ist dies ein häufiges Problem. Der Fotograf möchte ein Tier oder eine bestimmte Situation in seinem Foto festhalten. In der Tierfotografie trifft der Fotograf dabei auf kleine Tiere, die weit entfernt sind und die sich hektisch und unvorhersehbar bewegen. Es ist nicht einfach eine korrekt belichtete und an der richtigen Stelle scharfe Fotografie anzufertigen. In der Straßenfotografie ist es ähnlich. Der Fotograf scheut im Grunde davor zurück, fremde Menschen zu fotografieren. Traut er sich doch und gelingt es ihm irgendwie Personen auf seinem Bild zu positionieren, zeigt er sich zufrieden.

Mich freut es immer sehr, wenn Fotografen in ihren ersten Schritten in einem fotografischen Metier erfolgreich sind. Um eine ansprechende Fotografie anzufertigen bedarf es aber mehr. Als Fotograf sollte man sich immer die Frage stellen, warum sich andere an unser Foto erinnern sollten. Was will unser Foto ausdrücken oder welche Nachricht soll unser Foto vermitteln?

Für den Fotografen bedeutet dies, dass er auch in schwierigen Metiers eine gelungene Bildkomposition erzielten muss. Die schlichte Erfassung eines Motivelements genügt nicht! Die einzelnen Elemente eines Motivs müssen kompositorisch korrekt platziert werden. Eine stabile Balance bei zeitgleich hoher Spannung soll erreicht werden. Sind Personen elementarer Bestandteil der Komposition, sollte unbedingt auf Gestik und Mimik geachtet werden. Eine korrekte Belichtung und zum Motiv passende Schärfentiefe ist obligatorisch.

Wir Fotografen laufen Gefahr, auf eine hohe Qualität der Bildkomposition zu verzichten, wenn es uns gelingt, eine für uns subjektiv wahrgenommen Schwierigkeit zu meistern. Deswegen mein Rat an alle Fotografien, die sich in technisch schwierigen Genres bewegen:

  • Eine gute Bildkomposition ist immer wichtig. Egal wie schwierig die Aufnahme technisch ist. Bilder ohne gute Komposition haben keine Spannung, es fehlt oft an Balance. Sie sind oft langweilig.
  • Werden Tiere fotografiert ist es wichtig, die Tiere in einer interessanten Pose zu fotografieren. Es reicht nicht aus, einen Vogel abzulichten. Es ist wichtig eine typische Aktion oder eine besondere Situation einzufangen.
  • Werden Menschen fotografiert, trifft das Gleiche zu. Eine ansprechende Gestik und Mimik sind unverzichtbar. Es ist der besondere Moment, der einzigartige Gesichtsausdruck, der eine Fotografie spannend macht.

Etwas fotografisch einzufangen bedeutet nicht, die erwünschte Person “ist im Motiv“. Wir streben danach, uns von der Abbildungsebene zu entfernen und auf der Bedeutungsebene ein klare und einfache Botschaft fotografisch formulieren zu können.

In diesem Sinne freue ich mich über jedes Foto, mit dem es einem Fotografen gelingt, sich seiner Aufgabe zu stellen. Aber meine Bitte ist: strebt nach mehr. Beachtet die Ideen einer guten Bildkomposition und konzentriert euch auf die Botschaft, die eine Fotografie vermitteln soll.

 

Schwarz/Weiß ist kein fotografisches Genre!

Schwarz/Weiß ist kein fotografisches Genre!

Meine Workshops zur Schwarz/Weiß-Fotografie oder wie ich gerne sage, zur Monochrom-Fotografie, erfreuen sich sehr großer Beliebtheit. Ich selbst arbeite lieber in schwarz/weiß als in Farbe, weil mir die verdichtende Wirkung und die unbelastete Anmutung der Aufnahmen sehr gefällt.

Warum fotografieren wir eigentlich in schwarz/weiß, was gefällt uns so sehr daran und was ist eigentlich das Besondere an schwarz/weißen Fotografien, sind Fragen, in denen wir uns schnell einig werden. Was meine Kursteilnehmer eigentlich interessiert sind aber immer die folgenden beiden Fragen:

  1. Ich habe eine Idee einer monochromen Aufnahme, meine Bilder sehen aber ganz anders aus. Woran liegt das?
  2. Für welche Themen eignet sich die Schwarz/Weiß-Fotografie? Gibt es Themen, die besonders gut in schwarz/weiß aussehen?

Das erste Thema diskutiere ich vielleicht in einem anderen Beitrag – hier passt es aber inhaltlich nicht her. Letztlich ist eine Frage der handwerklichen Umsetzung.

Das zweite Thema ist interessant. Und eigentlich zeigt es eine verkehrte Welt. Es ist noch nicht so lange her, da hat sich die Frage niemand gestellt. Es gab keine Alternativen. Am Markt verfügbar war lediglich schwarz/weißes Material. Farbiges Filmmaterial war noch nicht erfunden. Und dennoch haben sich Fotografen mit allen Metiers beschäftigt, mit denen wir uns auch heute noch beschäftigen. Ich traue mir zu anzuzweifeln, dass wir seit der Erfindung der Farbfotografie bessere Aufnahmen erstellen. Das lässt den Schluss zu, dass es mindestens möglich ist, in allen Genres schwarz/weiß zu arbeiten. Warum also, glauben wir heute, dass sich bestimmte Fotografiearten besser für eine monochrome Umsetzung eignen als andere?

Die kausale Herleitung ist schnell gefunden. Ein beliebiges Motiv wird im Urlaub fotografiert. Dann wird die Farbe entfernt und ein unbefriedigendes Schwarz/weiss-Foto entsteht. Unzufrieden mit dem Bild aus dem letzten Urlaub denkt man nun, dass sich eine andere Stilrichtung, vielleicht Porträts, besser für monochrome Umsetzungen eignen als Reisefotografie.

Hilfreich ist aber die getrennte Betrachtung der Fotografieart und der stilistischen Umsetzung. Es geht darum, was fotografiert wird, z. B. Architektur, Landschaft oder Porträts und darum, wie eine Aufnahme präsentiert wird. Z. B. farbig oder schwarz/weiß. Hier kann man zu viel differenzierteren Aufzählungen finden. Ich könnte mir beispielsweise eine monochrome High-Key-Interpretation vorstellen. Ein Teilnehmer in einem gemeinsamen Workshop hat sehr anschaulich zwischen farbig und bunt unterschieden. Aber selbst diese zweifache Trennung genügt nicht, um zu einer nützlichen Definition zu kommen. Zur stilistischen Interpretation gehören weitere Aspekte. Hier sind natürlich alle Stilmittel der Bildkomposition, wie Kameraposition, Beleuchtung, Kontrast, Helligkeit, Schärfe und vieles mehr zu benennen.

Eine Schwarz/weiß-Umsetzung eines Motivs kann nicht retten, was die Bildgestaltung versäumt hat. Ebenso wird ein Fotograf, der sich für ein Thema nicht interessiert, in diesem überzeugende Aufnahmen machen. Was hier sehr einleuchtend klingt, ist aber nicht selbstverständlich.

Mein Rat an alle Fotografen ist, sich in einem Metier zu bewegen, in dem man sich wohlfühlt. Nur wer sich in seinem Umfeld wohlfühlt, wird dort Motive erkennen und ansprechende Fotografien erstellen. Sich von der Inhaltsebene befreiend gilt es nun eine starke Aussagekraft auf der Bedeutungsebene zu erlangen. Dazu ist eine gute Bildkomposition notwendig. Durch den Verzicht auf die Farbe, also durch Reduktion, kann nun die Bildaussage weiter gesteigert werden. Somit ist die monochrome Präsentation eines Fotos weniger eine Frage des geeigneten Metiers als vielmehr eine Frage der Bedeutungsebene oder eine Frage der Botschaft, die mit einer Fotografie transportiert werden soll.

Schwarz/Weiß ist also weder für bestimmte, noch für alle Genres besonders geeignet. Es ist ein Werkzeug der gestalterischen Auseinandersetzung mit einem Motiv. Die Anwendung kann in jedem Genre erfolgen.