Straßenfotografie und Tierfotografie haben viel gemeinsam!

Straßenfotografie und Tierfotografie haben viel gemeinsam!

Wir sind am Federsee mit der Kamera und dem langen Teleobjektiv. Heute sind wir die Einzigen mit ernsthaften fotografischen Absichten. Einige Touristen schlendern über den Steg und knipsen hier und da ein schnelles Foto von irgendwas. Habt Ihr den Vogel gesehen? In natura ja – auf dem Foto nicht! Ein Tourist zeigt seine Fotos, die er mit seinem Smartphone geschossen hat. Er ist begeistert, dass er einen Schwan einfangen konnte.

Andere Location, gleiche Situation. Ein junger Mann streift mit dem Fotoapparat durch Stuttgart. Fotografieren Sie auch, fragt er. Aaahh, Fujifilm sagt er. Ich mache Streetphotographie erklärt er dann. Stolz präsentiert er seine Schnappschüsse. Gar nicht so schlecht denke ich. Korrekt belichtet, Schärfe sitzt. Eine Person (nicht erkennbar) läuft durch das Motiv. Hintergrund überwiegend links. Rechts im Bild die Person bewegt sich nach rechts aus dem Bild.

Ich denke: Was will mir der Fotograf mit diesen Bildern sagen?

In der Tat ist dies ein häufiges Problem. Der Fotograf möchte ein Tier oder eine bestimmte Situation in seinem Foto festhalten. In der Tierfotografie trifft der Fotograf dabei auf kleine Tiere, die weit entfernt sind und die sich hektisch und unvorhersehbar bewegen. Es ist nicht einfach eine korrekt belichtete und an der richtigen Stelle scharfe Fotografie anzufertigen. In der Straßenfotografie ist es ähnlich. Der Fotograf scheut im Grunde davor zurück, fremde Menschen zu fotografieren. Traut er sich doch und gelingt es ihm irgendwie Personen auf seinem Bild zu positionieren, zeigt er sich zufrieden.

Mich freut es immer sehr, wenn Fotografen in ihren ersten Schritten in einem fotografischen Metier erfolgreich sind. Um eine ansprechende Fotografie anzufertigen bedarf es aber mehr. Als Fotograf sollte man sich immer die Frage stellen, warum sich andere an unser Foto erinnern sollten. Was will unser Foto ausdrücken oder welche Nachricht soll unser Foto vermitteln?

Für den Fotografen bedeutet dies, dass er auch in schwierigen Metiers eine gelungene Bildkomposition erzielten muss. Die schlichte Erfassung eines Motivelements genügt nicht! Die einzelnen Elemente eines Motivs müssen kompositorisch korrekt platziert werden. Eine stabile Balance bei zeitgleich hoher Spannung soll erreicht werden. Sind Personen elementarer Bestandteil der Komposition, sollte unbedingt auf Gestik und Mimik geachtet werden. Eine korrekte Belichtung und zum Motiv passende Schärfentiefe ist obligatorisch.

Wir Fotografen laufen Gefahr, auf eine hohe Qualität der Bildkomposition zu verzichten, wenn es uns gelingt, eine für uns subjektiv wahrgenommen Schwierigkeit zu meistern. Deswegen mein Rat an alle Fotografien, die sich in technisch schwierigen Genres bewegen:

  • Eine gute Bildkomposition ist immer wichtig. Egal wie schwierig die Aufnahme technisch ist. Bilder ohne gute Komposition haben keine Spannung, es fehlt oft an Balance. Sie sind oft langweilig.
  • Werden Tiere fotografiert ist es wichtig, die Tiere in einer interessanten Pose zu fotografieren. Es reicht nicht aus, einen Vogel abzulichten. Es ist wichtig eine typische Aktion oder eine besondere Situation einzufangen.
  • Werden Menschen fotografiert, trifft das Gleiche zu. Eine ansprechende Gestik und Mimik sind unverzichtbar. Es ist der besondere Moment, der einzigartige Gesichtsausdruck, der eine Fotografie spannend macht.

Etwas fotografisch einzufangen bedeutet nicht, die erwünschte Person “ist im Motiv“. Wir streben danach, uns von der Abbildungsebene zu entfernen und auf der Bedeutungsebene ein klare und einfache Botschaft fotografisch formulieren zu können.

In diesem Sinne freue ich mich über jedes Foto, mit dem es einem Fotografen gelingt, sich seiner Aufgabe zu stellen. Aber meine Bitte ist: strebt nach mehr. Beachtet die Ideen einer guten Bildkomposition und konzentriert euch auf die Botschaft, die eine Fotografie vermitteln soll.