Monochrom-Workshop im Haus auf der Alb

Haus auf der Alb | Treppenhaus

Monochrom-Workshop „Haus auf der Alb“

Die Architekturfotografie hat ihren eigenen Reiz. Insbesondere bei minimalistischer Architektur ist eine monochrome Umsetzung ein Stilmittel, das die Bildaussage erheblich verstärken kann. Das Haus auf der Alb in Bad Urach bietet ein ideales Ambiente für einen Fotoworkshop.

Am Samstag hatten wir erneut die Gelegenheit einen Workshop zur Schwarzweiß-Fotografie im Haus auf der Alb durchzuführen. Auch diesmal wieder haben wir uns zunächst mit dem Wesen der Monochromfotografie befasst, um dann in einem intensiven Praxis- und Theorieteil nicht nur zu fotografieren, sondern auch die Umsetzung der Aufnahmen in schwarzweiß zu erörtern.

Monochrom abstrahiert das Foto von der Realität, in dem nicht nur die Dimensionen Bewegung und Dreidimensionalität, sondern auch die Farbe weggenommen wird. Diese Reduktion führt zu einer Verstärkung der Bildaussage, wenn es dem Fotografen gelingt, Strukturen, Texturen und Geometrien ansprechend in Szene zu setzen. Die Umsetzung von Farbe in Schwarzweiß ist dabei nicht einfach. Eine gute monochrome Fotografie ist keineswegs eine entsättigte Farbaufnahme. Vielmehr muss der Fotograf gezielt mit Helligkeits- und Kontrastwerten arbeiten, um eine aussagekräftige Fotografie zu erstellen.

Eine gute Farbaufnahme ist die Basis für ein gutes Schwarz/Weiß-Foto. Ebenso ist eine gezielt vorbereitende digitale Entwicklung entscheidend für die weiterführende digitale Entwicklung des monochromen Bildes. Der wichtigste Schritt zum monochromen Bild ist die Farbfilterung. Hierbei werden den einzelnen Farben im ursprünglichen Foto die erwünschten „grauen“ Tonwerte zugewiesen. Keine andere Bearbeitung hat derart gravierenden Einfluss auf das Ergebnis. Nach der Monochromumsetzung ist typischerweise eine erneute Anpassung der Tiefen und Lichter notwendig. Über die Grundeinstellungen in Adobe Lightroom gehen diese Anpassungen rasch von der Hand. Bei der Anpassung von Schwarzpunkt, Weißpunkt, sowie der Tiefen und der Lichter ist allerdings zu beachten, dass eben auch eine Tonwertspreizung (oder Einengung) erfolgt. Eine differenzierte und rein selektiv wirkende Kontrastanpassung für einzelne Tonwertbereiche ist hingegen mit der Gradationskurve leicht erzielbar. Dazu eignet sich vor allem die Punktkurve.

Ich unterscheide globale, selektive und lokale Anpassungen im Foto. Globale Anpassungen betreffen die gesamte Aufnahme. Selektive Anpassungen wirken auf einen abgrenzbaren Bereich. Das ist zum Beispiel eine Farbe oder ein Tonwertbereich. Lokale Anpassungen wirken auf bestimmte Flächenbereiche des Fotos. Die lokalen Anpassungen können genutzt werden, um einzelne Stellen im Bild aufzuhellen oder abzudunkeln. In der analogen Fotografie sprach man vom Abwedeln und Nachbelichten. Adobe Lightroom bietet dazu die drei Maskierungsfunktion Verlaufsfilter, Radialfilter und Pinsel an. Alle drei können miteinander kombiniert werden, um die Maske präzise so zu gestalten, dass die ausgewählten Bereiche des Fotos genau eingeschlossen werden können.

Als Finish bietet sich dann die Anpassung der Mikrokontraste an, die anders als die Tonwertkontraste nicht den tonalen Unterschied zwischen hellstem und dunkelstem Tonwert betreffen, sondern den Tonwertübergang an Kontrastkanten betreffen.

Das Haus auf der Alb ist der ideale Ort für Workshops und Seminare. Die Räumlichkeiten bieten alles, was man als Moderator braucht. Die Unterkunft und Verpflegung im denkmalgeschützten Gebäude stimmt auf konzentriertes Arbeiten ein. Und für Fotografen ist das Gebäude im Bauhausstil das optimale Ambiente.

Wie immer hat sich eine anregende und interessante Diskussion ergeben. Vor allem bei Erich bedanke ich mich für seine konstruktiv kritischen Beiträge, die die Diskussion insgesamt erheblich aufgewertet haben.

Ebenso gilt mein Dank der Verwaltung des Haus auf der Alb, die in gewohnt freundlich, hilfsbereiter und kompetenter Art mein Fotoworkshop ermöglicht hat.

Schon jetzt überlege ich, ob vielleicht ein weiterer Workshop in diesem spannenden und geschichtsträchtige Ort möglich wäre.

 

Schwarz/Weiß ist kein fotografisches Genre!

Schwarz/Weiß ist kein fotografisches Genre!

Meine Workshops zur Schwarz/Weiß-Fotografie oder wie ich gerne sage, zur Monochrom-Fotografie, erfreuen sich sehr großer Beliebtheit. Ich selbst arbeite lieber in schwarz/weiß als in Farbe, weil mir die verdichtende Wirkung und die unbelastete Anmutung der Aufnahmen sehr gefällt.

Warum fotografieren wir eigentlich in schwarz/weiß, was gefällt uns so sehr daran und was ist eigentlich das Besondere an schwarz/weißen Fotografien, sind Fragen, in denen wir uns schnell einig werden. Was meine Kursteilnehmer eigentlich interessiert sind aber immer die folgenden beiden Fragen:

  1. Ich habe eine Idee einer monochromen Aufnahme, meine Bilder sehen aber ganz anders aus. Woran liegt das?
  2. Für welche Themen eignet sich die Schwarz/Weiß-Fotografie? Gibt es Themen, die besonders gut in schwarz/weiß aussehen?

Das erste Thema diskutiere ich vielleicht in einem anderen Beitrag – hier passt es aber inhaltlich nicht her. Letztlich ist eine Frage der handwerklichen Umsetzung.

Das zweite Thema ist interessant. Und eigentlich zeigt es eine verkehrte Welt. Es ist noch nicht so lange her, da hat sich die Frage niemand gestellt. Es gab keine Alternativen. Am Markt verfügbar war lediglich schwarz/weißes Material. Farbiges Filmmaterial war noch nicht erfunden. Und dennoch haben sich Fotografen mit allen Metiers beschäftigt, mit denen wir uns auch heute noch beschäftigen. Ich traue mir zu anzuzweifeln, dass wir seit der Erfindung der Farbfotografie bessere Aufnahmen erstellen. Das lässt den Schluss zu, dass es mindestens möglich ist, in allen Genres schwarz/weiß zu arbeiten. Warum also, glauben wir heute, dass sich bestimmte Fotografiearten besser für eine monochrome Umsetzung eignen als andere?

Die kausale Herleitung ist schnell gefunden. Ein beliebiges Motiv wird im Urlaub fotografiert. Dann wird die Farbe entfernt und ein unbefriedigendes Schwarz/weiss-Foto entsteht. Unzufrieden mit dem Bild aus dem letzten Urlaub denkt man nun, dass sich eine andere Stilrichtung, vielleicht Porträts, besser für monochrome Umsetzungen eignen als Reisefotografie.

Hilfreich ist aber die getrennte Betrachtung der Fotografieart und der stilistischen Umsetzung. Es geht darum, was fotografiert wird, z. B. Architektur, Landschaft oder Porträts und darum, wie eine Aufnahme präsentiert wird. Z. B. farbig oder schwarz/weiß. Hier kann man zu viel differenzierteren Aufzählungen finden. Ich könnte mir beispielsweise eine monochrome High-Key-Interpretation vorstellen. Ein Teilnehmer in einem gemeinsamen Workshop hat sehr anschaulich zwischen farbig und bunt unterschieden. Aber selbst diese zweifache Trennung genügt nicht, um zu einer nützlichen Definition zu kommen. Zur stilistischen Interpretation gehören weitere Aspekte. Hier sind natürlich alle Stilmittel der Bildkomposition, wie Kameraposition, Beleuchtung, Kontrast, Helligkeit, Schärfe und vieles mehr zu benennen.

Eine Schwarz/weiß-Umsetzung eines Motivs kann nicht retten, was die Bildgestaltung versäumt hat. Ebenso wird ein Fotograf, der sich für ein Thema nicht interessiert, in diesem überzeugende Aufnahmen machen. Was hier sehr einleuchtend klingt, ist aber nicht selbstverständlich.

Mein Rat an alle Fotografen ist, sich in einem Metier zu bewegen, in dem man sich wohlfühlt. Nur wer sich in seinem Umfeld wohlfühlt, wird dort Motive erkennen und ansprechende Fotografien erstellen. Sich von der Inhaltsebene befreiend gilt es nun eine starke Aussagekraft auf der Bedeutungsebene zu erlangen. Dazu ist eine gute Bildkomposition notwendig. Durch den Verzicht auf die Farbe, also durch Reduktion, kann nun die Bildaussage weiter gesteigert werden. Somit ist die monochrome Präsentation eines Fotos weniger eine Frage des geeigneten Metiers als vielmehr eine Frage der Bedeutungsebene oder eine Frage der Botschaft, die mit einer Fotografie transportiert werden soll.

Schwarz/Weiß ist also weder für bestimmte, noch für alle Genres besonders geeignet. Es ist ein Werkzeug der gestalterischen Auseinandersetzung mit einem Motiv. Die Anwendung kann in jedem Genre erfolgen.