Schwarz/Weiß ist kein fotografisches Genre!

Schwarz/Weiß ist kein fotografisches Genre!

Meine Workshops zur Schwarz/Weiß-Fotografie oder wie ich gerne sage, zur Monochrom-Fotografie, erfreuen sich sehr großer Beliebtheit. Ich selbst arbeite lieber in schwarz/weiß als in Farbe, weil mir die verdichtende Wirkung und die unbelastete Anmutung der Aufnahmen sehr gefällt.

Warum fotografieren wir eigentlich in schwarz/weiß, was gefällt uns so sehr daran und was ist eigentlich das Besondere an schwarz/weißen Fotografien, sind Fragen, in denen wir uns schnell einig werden. Was meine Kursteilnehmer eigentlich interessiert sind aber immer die folgenden beiden Fragen:

  1. Ich habe eine Idee einer monochromen Aufnahme, meine Bilder sehen aber ganz anders aus. Woran liegt das?
  2. Für welche Themen eignet sich die Schwarz/Weiß-Fotografie? Gibt es Themen, die besonders gut in schwarz/weiß aussehen?

Das erste Thema diskutiere ich vielleicht in einem anderen Beitrag – hier passt es aber inhaltlich nicht her. Letztlich ist eine Frage der handwerklichen Umsetzung.

Das zweite Thema ist interessant. Und eigentlich zeigt es eine verkehrte Welt. Es ist noch nicht so lange her, da hat sich die Frage niemand gestellt. Es gab keine Alternativen. Am Markt verfügbar war lediglich schwarz/weißes Material. Farbiges Filmmaterial war noch nicht erfunden. Und dennoch haben sich Fotografen mit allen Metiers beschäftigt, mit denen wir uns auch heute noch beschäftigen. Ich traue mir zu anzuzweifeln, dass wir seit der Erfindung der Farbfotografie bessere Aufnahmen erstellen. Das lässt den Schluss zu, dass es mindestens möglich ist, in allen Genres schwarz/weiß zu arbeiten. Warum also, glauben wir heute, dass sich bestimmte Fotografiearten besser für eine monochrome Umsetzung eignen als andere?

Die kausale Herleitung ist schnell gefunden. Ein beliebiges Motiv wird im Urlaub fotografiert. Dann wird die Farbe entfernt und ein unbefriedigendes Schwarz/weiss-Foto entsteht. Unzufrieden mit dem Bild aus dem letzten Urlaub denkt man nun, dass sich eine andere Stilrichtung, vielleicht Porträts, besser für monochrome Umsetzungen eignen als Reisefotografie.

Hilfreich ist aber die getrennte Betrachtung der Fotografieart und der stilistischen Umsetzung. Es geht darum, was fotografiert wird, z. B. Architektur, Landschaft oder Porträts und darum, wie eine Aufnahme präsentiert wird. Z. B. farbig oder schwarz/weiß. Hier kann man zu viel differenzierteren Aufzählungen finden. Ich könnte mir beispielsweise eine monochrome High-Key-Interpretation vorstellen. Ein Teilnehmer in einem gemeinsamen Workshop hat sehr anschaulich zwischen farbig und bunt unterschieden. Aber selbst diese zweifache Trennung genügt nicht, um zu einer nützlichen Definition zu kommen. Zur stilistischen Interpretation gehören weitere Aspekte. Hier sind natürlich alle Stilmittel der Bildkomposition, wie Kameraposition, Beleuchtung, Kontrast, Helligkeit, Schärfe und vieles mehr zu benennen.

Eine Schwarz/weiß-Umsetzung eines Motivs kann nicht retten, was die Bildgestaltung versäumt hat. Ebenso wird ein Fotograf, der sich für ein Thema nicht interessiert, in diesem überzeugende Aufnahmen machen. Was hier sehr einleuchtend klingt, ist aber nicht selbstverständlich.

Mein Rat an alle Fotografen ist, sich in einem Metier zu bewegen, in dem man sich wohlfühlt. Nur wer sich in seinem Umfeld wohlfühlt, wird dort Motive erkennen und ansprechende Fotografien erstellen. Sich von der Inhaltsebene befreiend gilt es nun eine starke Aussagekraft auf der Bedeutungsebene zu erlangen. Dazu ist eine gute Bildkomposition notwendig. Durch den Verzicht auf die Farbe, also durch Reduktion, kann nun die Bildaussage weiter gesteigert werden. Somit ist die monochrome Präsentation eines Fotos weniger eine Frage des geeigneten Metiers als vielmehr eine Frage der Bedeutungsebene oder eine Frage der Botschaft, die mit einer Fotografie transportiert werden soll.

Schwarz/Weiß ist also weder für bestimmte, noch für alle Genres besonders geeignet. Es ist ein Werkzeug der gestalterischen Auseinandersetzung mit einem Motiv. Die Anwendung kann in jedem Genre erfolgen.

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